Einsatz der Aktivisten war entscheidender Beitrag für bessere Autonomie

Die späten 1950er- und die 1960er Jahre in Südtirol sind im Gedächtnis der Zeitgenossen festgemacht an mehreren Versuchen, das Selbstbestimmungsrecht der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung Südtirols gegenüber dem italienischen Zentralstaat einzufordern.

Bereits am 17. November 1957 hatte es eine eindrucksvolle plebiszitäre Kundgebung von 35.000 Südtirolern auf Schloss Sigmundskron gegeben, bei der Dr. Silvius Magnago, der charismatische Parteiobmann der Südtiroler Volkspartei (SVP) und spätere langjährige Landeshauptmann im Namen der Südtiroler Bevölkerung die römische Regierung aufrief, die ständige Missachtung des Pariser Südtirol-Abkommens von 1946, die forcierte Zuwanderung aus Süditalien, die vielfachen provokativen Repressionen und Zurücksetzungen gegen Südtiroler Bürgerinnen und Bürger zu unterlassen.

Auch nach dieser europaweit beachteten friedlichen und konstruktiven Aktion und den darauf folgenden Verhandlungen zwischen Österreich und Italien zum Abbau der Spannungen zeigte die römische Regierung kein Entgegenkommen.

Daraufhin versuchte der „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) mit gezielten Aktionen, auf die unhaltbar gewordene Situation mit einer „Strategie der feinen Nadelstiche“ (Sepp Kerschbaumer) aufmerksam zu machen. Das Mittel der Wahl waren mehrere Anschläge gegen staatliche Sachgüter und gegen materielle Symbole der früheren faschistischen Staatsmacht.

Der Höhepunkt waren die Serie von Anschlägen in der Nacht des Herz-Jesu-Sonntags 1961 und vereinzelte Anschläge in den Folgejahren, die weltweit Aufsehen erregten, aber auch die Staatsmacht zu überzogener Verfolgung der Urheber mit brutalen Folterungen und unverhältnismäßig langen Haftstrafen verleitete.

Zusätzlich waren die Freiheitskämpfer und mit ihnen alle mitfühlenden Tiroler dadurch gedemütigt worden, dass ihre skrupellosen Folterer nicht nur vom Gericht in Trient freigesprochen, sondern drei Tage darauf in Rom feierlich empfangen, ausgezeichnet und befördert wurden.

Die Aktivisten der 1960er Jahre haben also ihr Ziel, die Wiedervereinigung Tirols durch die Selbstbestimmung für Südtirol, nicht erreicht, wohl aber hat sich aufgrund ihrer Aktionen die UNO-Vollversammlung erneut mit Südtirol befasst.

Die unterbrochenen Verhandlungen zwischen Österreich und Italien für eine Verbesserung der bestehenden Südtirol-Autonomie wurden wiederaufgenommen. Von der römischen Regierung wurde die 19er-Kommission eingesetzt. Diese erarbeitete konkrete Maßnahmen für eine bessere Autonomie für Südtirol. Dieses „Paket“ ist schließlich 1972 als „Neues Autonomiestatut“ in Kraft getreten.

Wer die in dieser Ausstellung dokumentierten schweren, ja turbulenten Zeiten hautnah miterlebt hat, hegt keinen Zweifel darüber, dass die Aktivisten der 1960er Jahre durch ihren beherzten Einsatz und ihre großen Opfer einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der neuen, qualitativ unvergleichlich besseren Autonomie Südtirols geleistet haben. Das Selbstbestimmungsrecht zur Erlangung der Wiedervereinigung unseres Landes mit dem Bundesland Tirol und Österreich blieb den Südtirolerinnen und Südtirolern jedoch weiterhin versagt.

Die kleine Ausstellung „BAS – Opfer für die Freiheit“ würdigt den Einsatz und das Leiden der Südtiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre und ihrer Familien.

Die Exponate hat der Freiheitskämpfer Sepp Mitterhofer für den Südtiroler Heimatbund gesammelt, einige sind Leihgaben von Privaten und vom Tiroler Landesmuseum „Ferdinandeum“ Innsbruck. Der Südtiroler Heimatbund mit seinem Obmann Roland Lang und dem Ehrenobmann Sepp Mitterhofer hat die Ausstellung angeregt und angestoßen. Der Militärhistoriker Oberst Mag. Dr. Hubert Speckner hat die Texte verfasst, mit seiner Frau Mag. Sylvia die Ausstellung kuratiert und mit der Firma DP-art (Brixen) aufgebaut. Die Grafik besorgte die Effekt! GmbH (Neumarkt).

Dank auch dem Hausherrn Dr. Dieter Waldthaler, selbst Zeitzeuge der 1960er Jahre!

 

Für den Ausstellungsbeirat:
von Dr. Bruno Hosp