6.0
Opfer

In den 1960er Jahren kamen mindestens 35 Personen im Zusammenhang mit dem „Südtirol-Konflikt“ ums Leben und zahlreiche Personen wurden verletzt. Diese Menschen starben aus den unterschiedlichsten Gründen.

Auch wenn bis heute dem BAS die Täterschaft für die meisten der Opfer unter den italienischen Soldaten der Alpini, Carabinieri und Guardia di Finanza sowie der Polizei zugeschrieben wird, sind die meisten Anschläge gegen italienische Sicherheitskräfte bis heute ungeklärt! Allerdings sind trotzdem noch einige der ehemaligen BAS-Aktivisten in Italien verurteilt, auch für Taten, die sie nicht begangen haben. Eine Amnestie beziehungsweise eine Rehabilitierung wird von Italien nach wie vor abgelehnt.

Ungeachtet dessen sei an dieser Stelle aller Opfer des „Südtirol-Konflikts“ gedacht.
Jedes Opfer bedeutete letztlich einen Schritt auf dem Weg zur Freiheit für Südtirol!

1961

Giovanni Postal

12. Juni 1961

Der Straßenwärter verlor in Salurn sein Leben. Er versuchte eine Sprengladung zu entfernen, die dabei explodierte.

Josef Locher

19. Juni 1961

Der Südtiroler wurde auf dem Heimweg in einer Materialseilbahn in Sarnthein von einem italienischen Soldaten erschossen, weil er die Seilbahn nicht stoppen konnte.

Hubert Sprenger

19. Juni 1961

Der Südtiroler wurde von einem italienischen Soldaten in Mals erschossen, als er auf dem Heimweg an einem Offizierswohnheim vorbeiging. Locher und Sprenger wurden Opfer eines „Betretungsverbotes“ des Vize-Regierungskommissärs, das offiziell erst nach dem Tod der beiden bekanntgegeben wurde.

Peter Thaler

25. Juni 1961

Der Südtiroler Soldat aus Brixen stirbt durch Schüsse eines italienischen Soldaten derselben Einheit aus unbekannten Ursachen.

Luciano Valinotti

19. Juli 1961

Der Pionier stirbt in Mals durch einen italienischen Soldaten derselben Einheit aus Versehen.

Franz Höfler

22. November 1961

Der BAS-Aktivist aus Lana wurde nach der Feuernacht verhaftet und gefoltert. Er starb in italienischer Gefangenschaft an den Folgen der Folterungen.

1962

Anton Gostner

07. Januar 1962

Der BAS-Aktivist aus St. Andrä bei Brixen starb in italienischer Gefangenschaft an den Folgen der Folterungen.

Gaspare Erzen

20. Oktober 1962

Der Bahnbeamte verliert durch eine Sprengladung am Bahnhof Verona sein Leben. Täter unbekannt, Italien beschuldigt bis heute den BAS. Tatsächlich weist vieles auf eine geheimdienstliche Aktivität hin, möglicherweise der tschechoslowakischen „Staatssicherheit“ (Státní Bezpecnost; StB).

1963

Marianne Tschenett

13. Juni 1963

Die Frau des BAS-Aktivisten Josef Tschenett aus Lichtenberg im Vinschgau wird tot im Suldenbach gefunden. Die genauen Umstände zum Tod der Frau sind bis heute ungeklärt. Sie hinterließ vier Kinder.

Kurt Gruber

23. September 1963

Der Gendarm verliert durch eine Sprengfalle in Ebensee sein Leben. Der Gendarm Johann Winkler verliert dabei sein Augenlicht, und Gendarmerie-Rittmeister Albrecht Schröder wird schwer verwundet. Fünf Schulkinder und zwei Erwachsene entkommen einem Anschlag auf die Feuerkogel-Seilbahn, weil die Sprengladung nicht losging. Die Tat der italienischen Neofaschisten Giorgio Massara, Sergio Poltronieri, Luciano Rolando und Franco Panizza wurde in Italien juristisch nur minimal verfolgt bzw. amnestiert, ebenso wie mindestens zwei weitere Bombenanschläge in Österreich.

1964

Hans Paul Wagner

27. August 1964

Der Agent des italienischen Geheimdienstes aus Innsbruck wird mit drei Einschüssen, davon zwei tödlichen, aufgefunden. Sein Tod wird als Selbstmord dargestellt.

Vittorio Tiralongo

03. September 1964

Der Carabiniere wird in Mühlwald erschossen. Täter bis heute unbekannt; zahlreiche Indizien weisen auf einen anderen Täterkreis als den BAS hin. Alle diesbezüglichen Verfahren wurden eingestellt.

Luis Amplatz

07. September 1964

Der BAS-Aktivist wird auf der Brunner Mahder in Passeier im Schlaf erschossen und sein Kamerad Jörg Klotz schwer verletzt. Der Täter, Christian Kerbler aus Hall in Tirol, wurde durch italienische Sicherheitsdienste gedungen. Er ist bis heute flüchtig.

Friedrich Rainer

09. Oktober 1964

Der Südtiroler aus dem Passeier soll beim Versuch, das Beinhaus in Mals zu sprengen, durch die eigene Ladung getötet worden sein. Die merkwürdigen Begleitumstände weisen aber auf eine Aktion italienischer Sicherheitskräfte hin.

Sepp Kerschbaumer

07. Dezember 1964

Der Gründer des BAS aus Frangart starb im Gefängnis in Verona an Herzversagen als Spätfolge der Folterungen nach der Feuernacht.

1965

Helmut Immervoll

16. Juli 1965

Der Österreicher stirbt bei einer Sprengstoffexplosion in Bozen. Die Explosion ereignete sich in der Wohnung des nach der Feuernacht inhaftierten BAS-Aktivisten Martin (Martl) Koch. Kochs Ehefrau wird verhaftet. Der BAS vermutete den italienischen Geheimdienst als Verursacher.

Palmerio Ariu, Luigi de Gennaro

26. August 1965

Die Carabinieri werden in Sexten erschossen. Täter bis heute unbekannt. Italien beschuldigt die „Pusterer“ der Tat.

1966

Bruno Bolognesi

23. Mai 1966

Der Finanziere verliert am Pfitscherjoch sein Leben. Gemäß der offiziellen italienischen Darstellung hatten die „Pusterer“ das von der Guardia di Finanza genutzte Pfitscherjoch-Haus mit Sprengstoff vermint. Tatsächlich fiel der Finanziere einer Gasexplosion zum Opfer.

Salvatore Cabitta, Giuseppe d’Ignoti

24. Juli 1966

Mordanschlag auf die Finanzieri in St. Martin in Gsies. Täter bis heute unbekannt. Italien beschuldigt die „Pusterer“ der Tat.

Martino Cossu, Herbert Volgger, Franco Petrucci

09. September 1966

Die Finanzieri Martino Cossu und Herbert Volgger kommen auf der Steinalm am Brenner ums Leben, der Finanzieri-Leutnant Franco Petrucci stirbt später an den Folgen der Verletzungen. Gemäß der offiziellen italienischen Darstellung verminte Jörg Klotz mit Richard Kofler, Alois Larch und Alois Rainer den Finanzerstützpunkt. Tatsächlich fielen die Finanzieri einer Gasexplosion zum Opfer.

Eugenio Trinelli

21. September 1966

Der Alpino aus Modena wird aus Versehen durch einen Soldaten der Guardia di Finanza erschossen.

Peter Wieland

24. September 1966

Der Südtiroler aus Olang wird auf dem Heimweg von einer Alpini-Streife angeschossen. Erst nach zwei Stunden wurde er ins Krankenhaus Bruneck eingeliefert, wo er kurze Zeit später verstarb. Als erste Todesursache wurden von den italienischen Behörden „Kopfverletzungen“ angegeben.

1967

Francesco Gentile, Mario Di Lecce, Olivo Dordi, Armando Piva

25. Juni 1967

Carabinieri-Hauptmann Gentile, Fallschirmjäger-Leutnant Di Lecce, der Fallschirmjäger-Unteroffizier Dordi sowie der Alpino Piva verlieren auf der Porzescharte ihr Leben. Der Fallschirmjäger-Unteroffizier Marcello Fagnani wird schwer verletzt. Gemäß der offiziellen italienischen Darstellung fielen die Soldaten einem Sprengstoffanschlag der drei österreichischen BAS-Aktivisten Peter Kienesberger, Dr. Erhard Hartung und Egon Kufner zum Opfer. Tatsächlich hatte mit großer Wahrscheinlichkeit der italienische Geheimdienst die Sprengfallen gelegt. Der genaue Hergang ist bis heute unbekannt und voller Ungereimtheiten.

Cesare Costantini

17. Juli 1967

Der Alpini-Hauptmann verliert bei der Zwickauer Hütte sein Leben. Der Alpini-Offizier wird nach einem Einsatz zur Sprengung der verminten Hütte bei der Bergung des „Feuerwerkers“ Armando Ciabattoni durch einen Hubschrauber getötet.

Beppino Mula

09. August 1967

Der Carabiniere aus Sardinien wurde beim Waffenreinigen in Leifers versehentlich von einem Kameraden erschossen.

Rudolf Brunner

20. September 1967

Der Oberleutnant des österreichischen Bundesheeres verliert bei Kartitsch sein Leben. Der Offizier stürzte beim Grenzeinsatz in Osttirol tödlich ab.

Filippo Foti, Edoardo Martini

30. September 1967

Die Bahnpolizisten verlieren am Bahnhof Trient durch eine Sprengladung ihr Leben. Täter bis heute unbekannt. In Italien wird der österreichische BAS-Aktivist Peter Kienesberger der Tat verdächtigt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der Täterkreis bei der „Avanguardia Nazionale“, italienischen Neofaschisten, zu suchen.